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Zille und die Pornografie
Ein Jahr vor Ausbruch des Krieges waren bereits Zilles Bildband Mein Milljöh sowie die Zyklen Berliner Luft und Hurengespräche, letzteres unter dem Pseudonym W. Pfeifer veröffentlicht, erschienen. Zilles ungeschminkte Darstellung von Prostituierten und der sogenannten „Pornographie” erregte vielerorts den Unmut der Sittenwächter und Moralapostel. Die Zwanglosen Geschichten und Bilder, die 1919 bei Fritz Gurlitt in Berlin in einer kleinen, nummerierten Ausgabe erschienen, wurden zeitweilig beschlagnahmt.
1925 wurde Zille wegen der Veröffentlichung seiner Lithografie Modellpause im Simplicissimus, die acht unbekleidete Mädchen zeigt, in Stuttgart gerichtlich belangt. Trotz der Leumundszeugnisse seiner Künstlerfreunde wurde Zille zur Zahlung von 150 Reichsmark und zur Vernichtung sämtlicher Druckplatten verurteilt. Der Autor Lothar Fischer meinte in einer Monografie über Zille, dass ihm das Thema Pornografie ein persönliches Anliegen gewesen wäre, bei den Hurengesprächen handele es sich „nicht um ein Nebenprodukt Zilles, etwa aus finanzieller Not entstanden, sondern das Thema war ihm ein echtes Anliegen.“
