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Die Secession und der Erfolg als Künstler
Um die Jahrhundertwende gelang es Heinrich Zille, erste Zeichnungen auszustellen und in Zeitschriften wie „Simplicissimus”, „Jugend – Münchener Illustrierte Wochenschrift für Kunst & Leben” und „Die Lustigen Blätter” zu veröffentlichen. Bald wurde man in den Berliner Künstlerkreisen auf „den Neuen” aufmerksam. Der Kunstkritiker Hans Rosenhagen schätze Zille als „Neue Erscheinung, die mit einer Reihe von ebenso realistisch wirksamen wie humorvollen farbigen Zeichnungen‚ aus dem dunklen Berlin’ und einem höchst drastischen ‚Frühlingswunder’ angenehm auffällt.“
1903 erfolgte alsbald Zilles Aufnahme in die neu gegründete Berliner Secession, einer Künstlergruppe, die sich auf Betreiben von Max Liebermann, Walter Leistikow und Franz Skarbina vom bis dahin dominierenden akademischen Kunstbetrieb abgespalten hatte. Zille wurde Protegé und ein guter Freund von Liebermann. Im gleichen Jahr begann Zilles Mitarbeit an der von Th. Th. Heine und Albert Langen herausgegebenen Münchner Satirezeitschrift „Simplicissimus“: hier lernte Zille den norwegischen Zeichner Olaf Gulbransson kennen. Es folgten „Jugend” (1905) und schließlich „Die Lustigen Blätter”, deren Verlag Dr. Eysler & Co. Berlin im Rahmen der Reihe „Künstlerhefte” die ersten volksnahen Milieuzeichnungen Zilles „Kinder der Straße” und „Berliner Rangen” (beide 1908) herausbrachte, welche darauf folgend Zilles auflagenstarke Publikationen einleiteten.
Mit den Mappen „Mutter Erde” (1905) und „Zwölf Künstlerdrucke” (1909) mit Heliogravuren von Handzeichnungen und Radierungen erlangte Zille schließlich überregionales Renommee als einer der besten deutschen Zeichner. Der Publikumserfolg als freischaffender Künstler kam Zille in Hinblick auf seine Entlassung bei der „Photographischen Gesellschaft” gerade recht. Galeristen bemühten sich um den „Professor mit der Nickelbrille”, und gelegentlich verkaufte Zille auch Werke an Privatsammler und schuf Wandbilder für verschiedene Lokalitäten und Bierkeller. Trotz aller Achtungserfolge erwarb die Berliner Nationalgalerie erst 1921 eine größere Anzahl Zeichnungen von ihm.
1910 wurde Zille zusammen mit Fritz Koch-Gotha der Menzelpreis der Berliner Illustrierten Zeitung für seine künstlerische Leistung verliehen. 1913 traten rund 40 Künstler, darunter auch Zille, wiederum aus der Berliner Secession aus und gründeten die Freie Secession. Zille wurde Vorstandsmitglied; Ehrenpräsident war Max Liebermann. Auf Liebermanns Vorschlag wurde Zille 1924 mit der Ernennung zum Professor schließlich Mitglied der Akademie der Künste. Allem Ruhm zum Trotz blieb Zille stets relativ gleichgültig gegenüber den zahlreichen Ehrungen, die ihm zugetragen wurden; dies änderte sich nicht, als mitten in den Entbehrungen des Ersten Weltkriegs seine ersten Bilderbücher erfolgreich verlegt wurden, und auch in späteren Jahren gab sich der Künstler bescheiden.


